
Was ist Spürgenauigkeit und Energielenkung?
Mit Achtsamkeit, Atem und Bewegung den eigenen Körper bewusster wahrnehmen
Yoga bedeutet nicht, eine Haltung möglichst perfekt auszuführen. Viel wichtiger ist, wahrzunehmen, was im eigenen Körper geschieht: Wo spüre ich Anspannung? Wo fließt der Atem schon frei? Welche Bewegung fühlt sich leicht an, wo brauche ich mehr Raum? Die Energie fließt dahin, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Diese bewusste Wahrnehmung wird im Yoga als Spürgenauigkeit bezeichnet. Sie hilft uns, achtsam mit unserer Energie umzugehen und unsere Bewegungen besser an die Tagesform anzupassen.
Was bedeutet Energielenkung im Yoga?
Im Yoga wird häufig von „Energie“ oder Prana gesprochen – der Lebensenergie, die uns durchströmt. Das klingt vielleicht abgehoben, ist aber unmittelbar erfahrbar. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Körperbereich richten, nehmen wir ihn deutlicher wahr: Besonders merken wir das, wenn wir eine Seite der Übung gemacht haben, im Unterschied zur anderen Seite. Das Prana fließt freier, wenn wir durch sanfte Bewegung kleine Blockaden lösen!
Unsere Aufmerksamkeit lenkt die Wahrnehmung – und diese kann Bewegung und Haltung verändern.
Statt eine Übung nur auszuführen, können wir beginnen, sie zu erleben. Wir spüren, wie die Energiezentren (Chakras) mehr Prana bekommen, wie unser Gewicht verteilt ist, welche Muskeln arbeiten und wo wir auch ganz loslassen können. So lernen wir, unseren Körper freundlich wahrzunehmen, ohne etwas erzwingen zu wollen. Besonders wertvoll ist das, wenn Beweglichkeit, Kraft oder Gleichgewicht nicht jeden Tag gleich sind. Yoga muss nicht jeden Tag gleich aussehen. Es darf sich jeden Tag anders anfühlen! Es soll sich nach Dir richten, nicht Du musst Dich in etwas hineinpressen! Das ist mir in den Yoga-auf-dem-Stuhl-Stunden ganz wichtig.
Der Atem als Wegweiser
Der Atem ist eine effektive und einfache Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Energie zu lenken. Beobachte während einer sanften Atembewegung, wie sich dein Bauch beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt. Du musst den Atem nicht verändern. Allein das bewusste Beobachten schafft mehr Verbindung zum eigenen Körper.
Wo der Atem frei fließt, darf Bewegung entstehen. Wenn er stockt oder sich eng anfühlt, kann eine Verlangsamung oder eine Pause guttun. So wird der Atem zu einem verlässlichen inneren Wegweiser in den Asanas auf und mit dem Stuhl.
Energielenkung im Sitzen
Gerade beim Yoga auf dem Stuhl lässt sich diese Form der Wahrnehmung wunderbar üben:
Spüre, wie deine Füße den Boden berühren, wie deine Sitzbeinhöcker auf dem Stuhl ruhen und wie sich deine Wirbelsäule sanft aufrichtet. Vielleicht stellst du dir vor, dass deine Füße dir Stabilität geben, während dein Scheitel nach oben wachsen darf.
Nimm dir einen Moment Zeit und wandere mit deiner Aufmerksamkeit durch den Körper: zu den Füßen, zum Becken, zur Wirbelsäule, zu den Schultern und schließlich zum Atem. Versuche nicht zu beurteilen oder zu bewerten. Frage dich nicht, ob etwas richtig oder falsch ist. Spüre einfach, was gerade da ist.
Nach einigen Atemzügen öffnest du wieder die Augen und bemerkst vielleicht, dass du entspannter, aufrechter oder einfach bewusster bist.
Yoga beginnt mit dem Spüren
Spürgenauigkeit bedeutet nicht, jede Empfindung analysieren zu müssen. Es geht darum, eine freundliche und neugierige Beziehung zum eigenen Körper zu entwickeln. Je besser wir wahrnehmen, desto leichter können wir entscheiden: Wie weit gehe ich heute in die Asana? Brauche ich heute mehr Dynamik oder mehr Ruhe? Kann ich loslassen? So passt sich Yoga unserem Körper an – und nicht umgekehrt!
Energielenkung beginnt mit Innehalten, Atmen und Spüren. So einfach und doch so wertvoll!
Wenn du das nächste Mal Yoga auf dem Stuhl übst, dann frage dich in erster Linie: Was spüre ich? Lass deinen „Affengeist“ – so nennen wir die Gedanken, die hin- und herspringen – los, lass Beurteilung und Bewertung los. Lass es in dir ruhiger werden.
Das wünscht sich für dich
Martina Karuna – Namasté

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